Kardiologie 15.01.2018 ESC Guidelines STEMI
Hepatologie 15.01.2018 Sicherheitsbeurteilung Leberzirrhosemedikamente
Kardiologie 08.01.2018 Blutdruck-Guidelines
Gastroenterologie 04.12.2017 S2k Guideline Gastrointestinale Blutung
Kardiologie 27.11.2017 Guidelines Bluthochdruck

Nikotinabhängigkeit und Rauchstopp - Grundsätze zu Diagnose und Therapie


Mit freundlicher Unterstützung* von:

* Dieser Text wurde von einem unabhängigen Team von Ärzten erstellt und dient ausschliesslich Informationszwecken
Autor:
Dr. med. Macé Schuurmans Oberarzt, UniversitätsSpital Zürich
Autor:
Dr. med. Jean-Pierre Zellweger Inhaber, Arztpraxis

 

Slide Kit


Unter "Download PPT" stehen Ihnen zu diesem Thema PowerPoint Slides zur Verfügung.

 

Quick Guide


1. Einleitung

  • 50% der Raucher sterben als Folge dieser Gewohnheit
  • Regelmässige Raucher leben im Durchschnitt 10 Jahre weniger als Nichtraucher [Doll 2004]
  • Tabakkonsum beeinflusst das Fortschreiten und die Prognose von zahlreichen Erkrankungen wie COPD/Lungenemphysem, KHK, PAVK und Krebs [Jimenez Ruiz 1998, Mucha 2006]
  • Rauch der Zigarette enthält > 4000 chemische Substanzen, darunter ca. 50 karzinogene Substanzen [Humair 2015]
  • Mechanismen der Nikotinabhängigkeit:
    • Nikotin verfügt über eine ähnliche Struktur wie Acetylcholin [Domino 1998]
    • Nikotin bindet an den nikotinischen α4β2-Acetylcholinrezeptor und aktiviert diesen, wodurch die Dopaminfreisetzung im Nucleus accumbens stimuliert wird
    • Einstellung des mit Rauchen verbundenen Belohnungsgefühls
    • Absinken des Nikotinspiegels führt zu Rauchverlangen und Entzugssymptomen
      [Jarvis 2004, Coe 2005, Tomkins 2001]
  • Nikotinentzug
    • Körperliche Symptome beginnen 2-24 h nach der letzten Zigarette
    • Maximum nach 2-3 Tagen
    • Enden individuell unterschiedlich nach 10-30 Tagen

 

2. Epidemiologie und Klassifikation

2.1. Epidemiologie
Prävalenz der Tabakabhängigkeit in der Schweiz:

Tabelle 1: Epidemiologische Daten aus der Schweiz, unterteilt nach Altersgruppen und Geschlecht (nach [Gmel 2014])

2.2. Klassifikation
Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit (FTND), um Zigarettenabhängigkeit zu bestimmen und kategorisieren

Tabelle 2: Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit (FTND) [Heatherton 1991]

Auswertung:
0-2 Punkte: sehr niedrig
3-4 Punkte: niedrig
5 Punkte: mittel
6-7 Punkte: hoch
8-10 Punkte: sehr hoch

 

3. Pathophysiologie

  • Tabak-assoziierte Lungenerkrankungen:
    • COPD, Emphysem, Asthma
    • Bronchus-Karzinom
    • Lungenfibrose/interstitial lung disease (ILD):
      • Respiratory bronchiolitis (RB-ILD)
      • Desquamative interstitial pneumonia
      • Langerhans‘ cell histiocytosis
    • Risikofaktor für idiopathische Lungenfibrose (IPF)
      [Ryu 2001]
  • Rauchen wirkt sich signifikant auf die Lungenfunktion aus, gemessen anhand der Einsekundenkapazität (FEV1)
  • Sterberisiko durch Tabak-bedingte Krankheiten:

Tabelle 3: Mortalitätsrisiko durch tabakinduzierte Erkrankungen (nach [Jha 2013])

* Hazard Ratio: Beziehung zwischen dem Risiko  von betroffenen und nicht betroffenen Personen unter Berücksichtigung der Zeitkomponente. Die Referenzgruppe besteht aus Nichtrauchenden. Alle Angaben sind um Alter, Bildungsniveau, Alkoholkonsum und BMI bereinigt.

 

4. Rauchstopp - Vorteile

Ein Rauchstopp bietet, abhängig von seinem Zeitpunkt, kurz- und langfristig Vorteile:

Tabelle 4: Zusammenhang mit dem Zeitpunkt des Rauchstopps (nach [Surgeon General MMWR 1990, Doll 2004])

 

5. Rauchstopp - Beratung


Bitte loggen Sie sich ein, um weiterzulesen.


 

6. Rauchstopp – medikamentöse Therapie


Bitte loggen Sie sich ein, um weiterzulesen.


 

7. Prognose

Je nach Art der Intervention unterscheiden sich die Erfolgsraten einer langfristigen Tabakabstinenz:

  • Rauchstoppdatum:
    • Nicht-Einhaltung der Rauchabstinenz am Rauchstopp-Datum ist kein Grund die Medikation einzustellen, sofern weiterhin eine Motivation für den Rauchstopp besteht
    • Rauchstopp in den folgenden Tagen anstreben,  auch ein «verspäteter» Rauchstopp ist ein Erfolg
    • Viele Patienten befürchten bei gleichzeitiger Einnahme eines Nikotinersatzes oder anderen Rauchstopp-Medikamenten bei fortgesetztem Rauchen eine Nikotinintoxikation zu erleiden. Diese Befürchtung ist unbegründet.
    • Gefahr längerfristig von Nikotinersatzpräparaten abhängig zu werden ist sehr gering (< 5%)
    • Zufuhr von Nikotin in Form eines Ersatzpräparates ist vom gesundheitlichen Standpunkt im Vergleich zum fortgesetzten Rauchen relativ unbedenklich
  • Behandlungsdauer:
    • In der Regel ist eine Behandlung von mindestens 8 Wochen empfehlenswert
    • Die meisten Behandlungen dauern 3 Monate eine
    • Verlängerung auf 6 und 12 Monate ist für Nikotinersatz, Bupropion und Vareniclin gut untersucht und sicher

Tabelle 6: Erfolgsraten der ärztlichen Interventionen [Silagy 2003, Hughes 2007, Humair 2009]

 

  • Ein Rauchstopp ist in 80% der Fälle mit einer Gewichtszunahme assoziiert, welche in der Regel rasch auftritt
  • Die Gewichtszunahme beträgt im Durchschnitt 4-5kg nach 12 Monaten, in wenigen Fällen ist sie jedoch erheblich grösser (>10kg)
  • Nikotinersatz und Bupropion verringern und/oder verzögern die Gewichtszunahme

 

8. Referenzen

  • BAG: Die obligatorische Krankenpflegeversicherung vergütet das Raucherentwöhnungsmittel Champix. Verfügbar unter: http://www.bag.admin.ch/aktuell/00718/01220/index.html?lang=de&msg-id=49514 [Abgerufen im März 2016].
  • Berlin I. J Smok Cessat 2008;3(2):92–100.
  • Coe JW et al. J Med Chem 2005;48:3474–7.
  • Cornuz J et al. Schweiz Med Forum 2011, Teil 1 Nr. 09/11: 156-159; Teil 2 Nr. 10/11:172-176.
  • Doll R et aI. BMJ. 2004;328(7455):1519.
  • Domino EF. Neuropsychopharmacology 1998;18:456–68.
  • Fachinformation CHAMPIX®: Verfügbar unter: http://www.swissmedicinfo.ch.
  • Fachinformation Zyban® : Verfügbar unter: http://www.swissmedicinfo.ch.
  • Fachinformation Nicorette® und Nicotinell®: Verfügbar unter: http://www.swissmedicinfo.ch.
  • Fiore MC et al. Clinical Practice Guideline. Executive Summary. Rockville MD: US Department of
  • Health and Human Services. Public Health Service. May 2008.
  • Gmel G et al. Sucht Schweiz, Lausanne, Schweiz 2014.
  • Heatherton TF et al. Br J. Addiction 1991; 86:1119-1127. Auswertung nach Fagerström KO,
  • Heatherton TF, Kozlowski LT. Ear, Nose and Throat Journal, 1991;69(11):763-768.
  • Hughes JR et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 1. Art. No.: CD000031. Verfügbar unter: http://www2.cochrane.org/reviews/en/ab000031.html. 
[Abgerufen im Dezember 2015]
  • Humair J-P & Cornuz J. Raucherentwöhnung – Basisdokumentation für Ärztinnen und Ärzte. 2. Auflage, Frei von Tabak, Bern 2009.
  • Humair J-P, Jacot Sadowski I, Cornuz J. Raucherentwöhnung – Basisdokumentation für Ärztinnen und Ärzte. 3. Auflage, Frei von Tabak, Bern 2015.
  • Jha P et al. NEJM 2013;368(4):341-50.
  • Jarvis MJ. BMJ 2004;328:277–9.
  • Jiménez Ruiz CA et al. Arch Bronconeumol. 1998;34(9):433-6.
  • Mucha L et al. Gend Med. 2006;3(4):279-91.
  • Ryu JH et al. Eur Respir J. 2001;17(1):122-32.
  • Schuurmans MM et al. Schweiz Zeitschrift für Psychiatrie & Neurologie. 02.2009: 27-34.
  • Silagy C et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 3. Art. No.: CD000146. Verfügbar unter: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD000146.pub2/epdf [Abgerufen im Dezember 2015]   
  • Stead M et al. The British Journal of General Practice. 2009;59(566):682-690.
  • The Surgeon General´s 1990 Report on the Health Benefits of Smoking Cessation. Surgeon General MMWR 1990. http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/00001801.htm
  • Tomkins DM, Sellers EM. CMAJ 2001;164:817–21.
An den Anfang wechseln

Kommentare:

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.
Diese Diskussion ist nur zugänglich für eingeloggte Mitglieder.

Sind Sie Arzt/Ärztin oder Medizinstudent/-in (ab dem 5. Semester)?

Werden Sie Mitglied und erhalten Zugang zu allen evidentia Inhalten. Hier klicken »