Urologie 19.03.2018 Guidelines Harnwegsinfektionen. Therapie und Prävention
Kardiologie 27.02.2018 Guidelines Bluthochdruck
Gastroenterologie 19.02.2018 Konsensus GERD Diagnose
Onkologie 19.02.2018 ASCO Guidelines Brustkrebs Risikoreduktion
Kardiologie 16.02.2018 Hypertonie Guidelines

Diagnose und Therapie des Morbus Parkinson


Mit freundlicher Unterstützung* von:

* Dieser Text wurde von einem unabhängigen Team von Ärzten erstellt und dient ausschliesslich Informationszwecken
Autor:
Prof. Dr. med. Christian Baumann Leitender Arzt, UniversitätsSpital Zürich
Autor:
Prof. Dr. med. Alain Kaelin Konsiliararzt, Inselspital Bern

 

Slide Kit


Unter "Download PPT" stehen Ihnen zu diesem Thema PowerPoint Slides zur Verfügung.

 

Quick Guide


1. Definition

Idiopathisches Parkinsonsyndrom = Morbus Parkinson

  • Neurodegenerativ
  • Langsam fortschreitend
  • Erkrankung des extrapyramidal-motorischen Systems

Kardinalsymptome

Tabelle 1: Kardinalsymptome des Parkinsonsyndroms (aus Calme et al. 1992)

  • Akinese: Verlust von Bewegungen. Voraussetzung für die Diagnose
  • Rigor: Steifigkeit aufgrund erhöhten Muskeltonus
  • Tremor: Langsames Zittern (4-6 Hz) (Pillendrehertremor), das bei Bewegung abnimmt
  • Posturale Instabilität
  • Begleitsymptome, können im Krankheitsverlauf in unterschiedlichem Ausmass auftreten

 

2. Epidemiologie

2.1. Risikofaktoren für Morbus Parkinson

Tabelle 2: Risikofaktoren für Morbus Parkinson (aus: Davis et al. 1979, Hernan et al. 2002, Koller et al. 1990, Kuhn et al. 1998, Priyadarshi et al. 2000)

MPTP = 1-Methyl-4-phenyl-1,2,3,6-tetrahydropyridin

Anzahl Parkinsonpatienten pro 100‘000 Einwohner (Mutch et al. 1986)

  • 40 - 44 Jahren: 12.5 Patienten
  • 60 - 64 Jahren: 240 Patienten
  • 70 - 74 Jahre: 707 Patienten
  • 80 - 84 Jahre: 1792 Patienten

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung ist von einer überproportionalen Zunahme an Parkinsonpatienten auszugehen.

 

3. Klassifikation

 

Tabelle 3: Klassifikation des Parkinsonsyndroms

  • Familiäre Parkinsonsyndrome
    Es werden zunehmend erbliche Formen beschrieben, welche unter der Gruppe „Familiäre Parkinsonsyndrome“ zusammengefasst werden. Es sind autosomal-dominante, rezessive, autosomal dominante mit verminderter Penetranz und auch X-Chromosom-gekoppelte Formen bekannt.
  • Idiopathisches Parkinsonsyndrom
    Je nachdem, welches der Kardinalsymptome im Vordergrund steht, wird die Erkrankung als akinetisch-rigiden, tremordominanten oder Äquivalenztyp bezeichnet. 

  • Symptomatische Parkinsonsyndrome
    Suggestiv für das Vorliegen eines symptomatischen Parkinsonsyndroms ist u.a. die
    • Anamnese mit Neuroleptika-Einnahme
    • Vorliegen von atypischen zusätzlichen Symptomen wie Urininkontinenz
    • Exposition an toxische Substanzen (z.B. Mangan)
    • Wiederholte cerebrovaskuläre Ereignisse in der Anamnese.
  • Parkinsonsyndrome im Rahmen anderer neurodegenerativer Erkrankungen
    Unter dieser Gruppe werden auch die sogenannten Parkinson-Plus-Erkrankungen zusammengefasst. Histopathologisch unterscheiden sich diese Erkrankungen vom Morbus Parkinson.

 

4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen

4.1. Morbus Parkinson: Klinik

Frühsymptome (vor motorischen Symptomen)    

  • Hyposmie
  • Obstipation
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Diagnosestellung (folgende Kriterien müssen erfüllt sein)

  • Akinese plus mindestens eines der anderen drei Kardinalsymptome (Tremor, Rigor, posturale Instabilität)
  • Asymmetrische Klinik
  • Progredienter Verlauf
  • Gutes Ansprechen auf Levodopa
  • Keine Hinweise auf atypisches Parkinson-Syndrom

Weitere klinische Aspekte des Morbus Parkinson

  • Schulter-Armschmerzen
  • Riechstörungen
  • Mikrographie
  • Asymmetrischer Beginn
  • Progredienter Verlauf
  • Gutes Ansprechen auf Levodopa

(Herting et al. 2008)

4.2. Nicht-motorische Symptome

4.2.1. Depression bei Parkinson

  • Ungefähr jeder 3. Parkinson-Patient betroffen
  • Diagnostischer Goldstandard ist die psychiatrische Untersuchung
  • Diagnostische Hilfsmittel (siehe evidentia-Homepage)
    • HADS: Hospital Anxiety and Depression Scale
    • Beck: Beck Depression / Anxiety Inventory

 4.2.2. Demenz bei Parkinson

  • Häufig (> 20% der Patienten)
  • In der Regel einige Jahre nach ersten motorischen Symptomen
  • Verstärkung durch anticholinerge Medikamente

Klinisch kommt es vor allem zu Störung der exekutiven Funktionen

  • Antrieb, Aufmerksamkeit und Flexibilität
  • Handlungsplanung und Arbeitstempo

Diagnostischer Gold-Standard ist die neuropsychologische Untersuchung

  • MoCA (Montreal Cognitive Assessment) (Hoops et al. 2009)

4.2.3. Psychotische Symptome bei Parkinson

  • Häufigsten Gründen für eine Einweisung in eine Institution
  • Prävalenz 8-40% aller Parkinson-Patienten

Klinik:

  • Illusionen
  • (Pseudo-) Halluzinationen
  • Paranoide Symptome
  • Verwirrtheitszustände

4.2.4. Schlafstörungen bei Parkinson
Fast alle Patienten leiden im Verlauf ihrer Erkrankung unter der einen oder anderen Schlaf-Wach-Störung.

  • Ein- und Durchschlaf -Insomnie
  • Exzessive Tagesschläfrigkeit und Schlafattacken
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung
  • NREM-Parasomnien, wie Schlafwandeln

4.2.5. Impulskontrollstörungen bei Parkinson
Besonders im Spätstadium und unter Therapie mit Dopamin-Agonisten tritt bei manchen Patienten eine Störung der Impulskontrolle auf.

Symptome:

  • Pathologisches Spielen, Spielsucht
  • Hypersexualität
  • Zwanghaftes Einkaufen
  • Zwanghaftes Essen, Fresssucht
  • Zwanghafter Gebrauch von dopaminergen Substanzen (Dopamin- Dysregulations-Syndrom)
    Repetitive Zwangshandlungen (Punding)

4.2.6. Autonome Störungen bei Parkinson
Eine Reihe von autonomen Störungen kann bei Parkinson-Patienten beobachtet werden (Magerkurth et al. 2005)

Klinische Symptome:

  • Miktionsstörungen
  • Obstipation        
  • Erektile Dysfunktion
  • Orthostatische Dysregulation
  • Sudomotorikstörungen
  • Seborrhoe
  • Temperatur-Dysregulation

4.2.7. Sensible Symptome bei Parkinson

  • Dysästhesien
  • Schmerzen

 

5. Diagnose und Differentialdiagnose

5.1. Diagnose des Morbus Parkinson

1. Schritt: Diagnose eines Parkinson-Syndroms
Zwingend vorliegen muss:
Akinese (Verlust von Bewegungen) und mindestens eines der folgenden drei Symptome:

  • Rigor
  • Tremor: 4–6 Hz, selten 9 Hz
  • Posturale Instabilität


2. Schritt: Ausschluss symptomatisches Parkinsonsyndrom oder anderer Differentialdiagnosen

  • Einnahme von Neuroleptika, Dopaminrezeptorblockern (z.B. Paspertin), Valproat bei Erstmanifestation der Symptome
  • Hirntumor oder Hydrocephalus communicans im CCT
  • Wiederholte Hirninfarkte mit stufenweiser Verschlechterung der Parkinson-Symptomatik
  • Rezidivierende Schädel-Hirn-Traumen in der Vorgeschichte
  • Diagnostisch gesicherte Enzephalitis in der Vorgeschichte
  • Seltene Intoxikationen (z.B. MPTP)

3. Schritt: Warnsymptome, die auf ein atypisches Parkinsonsyndrom hinweisen können

  • Nichtansprechen auf hohe Dosen L-DOPA (1‘000 mg/d) nach Ausschluss einer Malresorption
  • Schwere, früh auftretende, autonome Dysfunktion, supranukleäre vertikale Blickparese, zerebelläre Symptome, positive Pyramidenbahnzeichen, frühe posturale Instabilität und Stürze, soweit nicht anderweitig erklärt (z.B. durch Schlaganfall), im 1. Jahr auftretende Demenz mit Sprach- und Gedächtnisstörungen, fluktuierende visuelle Halluzinationen.

4. Schritt: Unterstützende Kriterien für ein idiopathisches Parkinson-Syndrom
Mindestens drei der folgenden Symptome:

  • Einseitiger Beginn und/oder persistierende Asymmetrie im Krankheitsverlauf
  • Ruhetremor (s.o.)
  • Positives Ansprechen (> 30%) auf L-DOPA (ohne dass Ruhetremor auf tiefe oder mittlere Dosen ansprechen muss)
  • Levodopa-Test
  • Ambulanter Levodopa-Versuch, nötigenfalls bis 1000 mg Levodopa pro Tag
  • Typischer Verlauf über 10 oder mehr Jahre
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung
  • Hyposmie

5.2. Erfassung der Erkrankung

  • Die Hoehn und Yahr-Skala
     

Tabelle 4: Die Hoehn und Yahr-Skala (aus: Hoehn & Yahr, 1967)

  • Unified Parkinson Disease Rating Scale (UPDRS)

Tabelle 5: Teilgebiete der UPDRS (Formular siehe evidentia Homepage)

5.3. Differentialdiagnose des Morbus Parkinson

Folgende Parkinson-Plus-Syndrome müssen differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden:

Tabelle 6: Parkinson-Plus-Syndrome (aus: Conrad et al. 1996, Hufschmidt et al. 2006, Gerlach et al. 2007)

 

6. Therapie


Bitte loggen Sie sich ein, um weiterzulesen.


 

7. Referenzen

  • Antonini A. et al. Parkinsonism and Related Disorders 21 (2015) 231-235.
  • Calme DB, Snow Lee C. Ann Neurol 1992;32:125-127.
  • Conrad B, Ceballos-Baumann AO. Bewegungsstörungen in der Neurologie. Thieme Verlag 1996.
  • Davis GC, et al. J Psychiatr Res 1979;1:249-254.
  • DGN Leitlinien 2015 auf: http://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2012/pdf/030-010l_S2k_Parkinson-Syndrome_Diagnostik_Therapie_2012_verlaengert.pdf
  • Fachinformation Duodopa Stand Nov. 14, www.swissmedicinfo.ch
  • Fernandez HH et al. Mov Disord. 2015;30(4):500-9.
  • Gerlach M, Reichmann H, Riederer P. Die Parkinson-Krankheit. Springer-Verlag, 4. Auflage 2007.
  • Hernan MA, et al. Ann Neurol 2002;52:276-284.
  • Herting B, Schulze S, Reichmann A, et al. J Neurol 2008;255:367-70.
  • Hoehn, MM, Yahr, MD. Neurology 1967;17:427.
  • Hoops S et al. Neurology 2009; 73: 1738-45.
  • Hufschmidt A, Lücking CH, Neurologie compact. Thieme Verlag, 4. Auflage 2006.
  • Koller W, et al. Neurology 1990;40:1218-1221.
  • Kuhn W, et al. Neurology 1998;50:1885-1886.
  • Magerkurth et al., Clin Auton Res 2005;15(2):76-82.
  • Mutch WJ, et al. Br Med J 1986;293:675-677.
  • Olanow CW, Hauser RA, Gauger L, et al. Ann Neurol 1995;38:771-7.
  • Parkinson Study Group. N Engl J Med 1993;328:176-83.
  • Parkinson Study Group. Arch Neurol 2002;59:1937-43.
  • Parkinson Study Group. N Engl J Med 2004;341:298-308.
  • Priyadarshi A, et al. Neurotoxicol 2000;21:435-440.
  • Przuntek H, Conrad B, Dichgans J, et al. Eur J Neurol 1999;6:141-50.
  • Slevin JT et al. J Parkinsons Dis 2015; 5(1), 165-74.
An den Anfang wechseln

Kommentare:

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.
Diese Diskussion ist nur zugänglich für eingeloggte Mitglieder.

Sind Sie Arzt/Ärztin oder Medizinstudent/-in (ab dem 5. Semester)?

Werden Sie Mitglied und erhalten Zugang zu allen evidentia Inhalten. Hier klicken »