Kardiologie 15.01.2018 ESC Guidelines STEMI
Hepatologie 15.01.2018 Sicherheitsbeurteilung Leberzirrhosemedikamente
Kardiologie 08.01.2018 Blutdruck-Guidelines
Gastroenterologie 04.12.2017 S2k Guideline Gastrointestinale Blutung
Kardiologie 27.11.2017 Guidelines Bluthochdruck

Diagnose und Therapie der Migräne

Autor:
Dr. med. Guido Schwegler Naumburger Leitender Arzt, Spital Limmattal
Autor:
Prof. Dr. med. Peter Sandor Ärztlicher Direktor Neurologie, Unternehmensgruppe RehaClinic

 

Slide Kit


Unter "Download PPT" stehen Ihnen zu diesem Thema PowerPoint Slides zur Verfügung.

 

Quick Guide


1. Definition

Die Migräne ist ein Kopfschmerzsyndrom (von http://ihs-classification.org/de)

  • Rein klinisch definiert durch
    • Charakter, Intensität und die Dauer der Attacken
    • typische Begleitsymptome
  • Attacken - Dauer 4-72 h
  • Intensität - stark, zunehmend durch körperliche Belastung
  • Charakter - oft hämmernd / pulsierend, einseitig in 50-60%

Begleitsymptome

  • Autonom – Nausea (80%), Emesis (40%)
  • Sonstige – Photophobie (60%), Phonophobie (50%)
  • Funktionelle Einschränkung – Inappetenz, Ruhebedürftigkeit

 

2. Epidemiologie

  • Prävalenz der Migräne (Stovner et al 2007)
    • Erwachsene: 18%
    • Vor der Pubertät: 5% (Männer und Frauen gleich häufig)
  • Mittleres Alter des häufigsten Auftretens: 30-45 Jahre

    • Verhältnis Frauen : Männer = 3 : 1
  • Mittlere Frequenz: 1.5 Attacken/Monat

    • Bei 10%: 1 Attacke/Woche
  • Ein-Jahres-Prävalenz 11%

    • Männer 6%
    • Frauen 15-18%

 

3. Klassifikation

 

Abbildung 1: Klassifikation der Migräne (nach: [http://ihs-classification.org/de]; Heinze et al 2007)

3.1. Migräne ohne Aura
Definition Migräne ohne Aura (nach: [http://ihs-classification.org/de])

  • ≥ 5 Attacken, Dauer 4 – 72 Stunden
  • ≥ 2 folgender Merkmale erfüllt
    • Einseitig (in ca. 50-60%)
    • Pulsierend-hämmernd
    • Mittelstark-starke Intensität
    • Verstärkung bei körperlicher Aktivität
  • ≥ 1 folgender Begleitsymptome
    • Nausea oder Erbrechen
    • Überempfindlichkeit der Sinneswahrnehmung (Licht, Lärm, Geruch)

3.2. Migräne mit Aura
Definition Migräne mit Aura (nach: [http://ihs-classification.org/de])

  • ≥ 2 Attacken
  • Aura vollständig reversibel
  • Mindestens 2 der folgenden Punkte sind erfüllt:
    1. homonyme visuelle Symptome und/oder einseitige sensible Symptome
    2. wenigstens 1 Aurasymptom entwickelt sich allmählich ≥ 5 Min. hinweg und/oder verschiedene Aurasymptome treten nacheinander in Abständen von ≥ 5 Min. auf
    3. Jedes Symptom hält ≥ 5 Min. und ≤ 60 Min. an
  • Migränetypische Kopfschmerzen beginnen noch während der Aura oder folgen der Aura innerhalb von 60 Minuten

  • Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen

3.3. Migräne bei Kindern

  • Ab dem 3. Lebensjahr manifest
  • Mädchen und Jungen gleich häufig betroffen
  • Attackendauer oft kürzer als im Erwachsenenalter, 2-72 h
  • Migräneschmerz weniger typisch
  • Photo- und Phonophobie deutlich seltener

3.4. Menstruelle Migräne

  • Einfluss weiblicher Geschlechtshormone
  • 3x höhere Migränehäufigkeit in reproduktiver Phase der Frauen
  • Assoziation Migräne – Menstruation bei 50% der Frauen
  • Bei 7-10% tritt Migräne nur in den 3 Tagen vor und der ersten 2 Tage während der Menstruation auf

 

4. Klinik: Anamnese und Befunde, Zusatzuntersuchungen

4.1. Anamnese
Der Kopfschmerz ist das Leitsymptom einer Migräne. Spezifischer für eine Migräne sind die Zusatzsymptome. Triggerfaktoren wie Stress, Änderung des Lebensrhythmus, Bezug zur Menstruation oder Essgewohnheiten durch gezielte Befragung zu erkunden.

Tabelle 1: Befunde bei der Migräne (nach: Die Kopfschmerzen, 2. Auflage 2003)

Tabelle 2: Wichtige Anamnesepunkte bei der Diagnose und Differentialdiagnose der Migräne (nach: Kopf- und Gesichtsschmerzen, 2. Auflage 2002)

4.2. Befunde und Zusatzuntersuchungen

  • Ausführlicher neurologischer Status bei Erstdiagnose
  • Fundoskopie zum Ausschluss einer intrakraniellen Hypertension
  • MRI bei atypischer Migräneaura zwingend, bei erstmaliger Aurasymptomatik je nach klinischem Kontext

 

5. Diagnose und Differentialdiagnose

5.1. Abgrenzung von Spannungskopfschmerzen

Abbildung 2: Differentialdiagnose Migräne und Spannungskopfschmerz (Lipton et al., 2004)

5.2. Migräne und Trigemino-autonome Kopfschmerzen

Tabelle 3: Differentialdiagnose Migräne und Trigemino-autonome Kopfschmerzen (nach Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen. DGN 2015)

5.3. Abgrenzung von episodischem Cluster headache
Der Cluster Kopfschmerz ist von den Trigemino-autonomen Kopfschmerzen mit Abstand der häufigste. Gleichwohl ist der Cluster Kopfschmerz aber viel seltener als die Migräne.

Tabelle 4: Befunde bei episodischem Cluster Kopfschmerz

5.4. Abgrenzung von sekundären Kopfwehformen

Wichtige bedrohliche Krankheitsbilder mit Kopfweh als Leitsymptom sind

  • Meningitis
  • Encephalitis
  • Vaskulitiden
  • Subarachnoidalblutung
  • Dissektionen hirnversorgender Arterien
  • Sinusvenenthrombose
  • Idiopathische intrakranielle Hypertension („Pseudotumor cerebri“)
  • Schlaganfall

Diese Diagnosen sind zwingend auszuschliessen!

5.5. Was sind die Red Flags bei Kopfschmerzen?

Abbildung 3: Red Flags bei Kopfschmerzen

 

6. Therapie der Migräne


Bitte loggen Sie sich ein, um weiterzulesen.


 

7. Prognose der Migräne

  • An sich günstig
  • Ab 40. Lebensjahr deutlich abnehmend
  • Bei einigen Patienten aggravierend
    • Dauerschmerz mit aufgepfropften Attacken (häufig durch Überkonsum von Migränemedikamenten)

 

8. Referenzen

  • http://ihs-classification.org/de
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen 2015. Auf: www.dgn.org
  • Die Kopfschmerzen, 2. Auflage 2003, Springer Verlag; Herausgeber H Göbel
  • Diener HC et al. J Neurol 2004; 251: 943-950.
  • Ferrari MD et al. Cephalalgia 2002; 22: 633-658.
  • Goadsby PJ and Sprenger T. Lancet Neurol 2010; 9: 285-298.
  • Heinze A et al. Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel. Klassifikation von Kopfschmerzen. Schmerz 2007; 21: 263–274. Springer Medizin Verlag 2007
  • Kopf- und Gesichtsschmerzen, 2. Auflage 2002, Thieme Verlag Stuttgart, Diener HC
  • Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, 4. Auflage 2008, Thieme Verlag Stuttgart, Diener HC, Putzki N
  • Lipton RB et al. Neurology 2004; 63: 427-435.
  • Schweizerische Kopfwehgesellschaft auf http://www.headache.ch/Therapieempfehlungen
  • Stovner LJ et al. The Global Burden of Headache: A Documentation of Headache Prevalence and Disability Worldwide Cephalalgia March 2007 27: 193-210.
  • Wöber C, Wöber-Bingöl C. Handb Clin Neurol. 2010; 97:161-72. Triggers of migraine and tension-type headache.
An den Anfang wechseln

Kommentare:

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.
Diese Diskussion ist nur zugänglich für eingeloggte Mitglieder.

Sind Sie Arzt/Ärztin oder Medizinstudent/-in (ab dem 5. Semester)?

Werden Sie Mitglied und erhalten Zugang zu allen evidentia Inhalten. Hier klicken »