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Diagnose und Therapie der Akne vulgaris

Autor:
Dr. med. Barbara Theler Inhaberin, Hautarztpraxis Barbara Theler

 

Quick Guide


1. Definition

Bei der Akne vulgaris handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung in talgdrüsenreichen Körperregionen, welche mit einer Verhornungsstörung im Bereich der Haarfollikel, Seborrhoe sowie einer Bakterienkolonisation mit Propionibakterium acnes einhergeht. Die Aetiologie und Klinik kann unterschiedlich sein. Das klinische Bild ist geprägt von Komedonen, Papulopusteln oder abszedierenden Knoten, Überlappungen sind möglich. 

2. Gliederung

Bei der Akne vulgaris unterscheidet man drei Typen, welche auch überlappen können. Wichtig ist v.a. das Erkennen und die effiziente Behandlung der nodulozystischen Akne, da sie mit einer Narbenbildung vergesellschaftet ist:

  1. Komedonenakne (Acne comedonica)
  2. Papulopustulöse Akne (Acne papulopustulosa)
  3. Nodulozystische Akne (Acne nodulocystica/conglobata)

 

Nodulozystische Akne sollte schnell erkannt und effizient behandelt werden, da sie Narben bildet.

 

3. Hintergrund und Epidemiologie

Betroffen sind v.a. männliche, seltener weibliche Personen im Alter von 12 bis 24 Jahren. Meist ist die Ausprägung mit 15 bis 19 Jahren am schlimmsten. In diesem Alter kommt die Akne vulgaris in mehr oder weniger starker Ausprägung bei bis zu 90% der Jugendlichen vor. Eine starke Akne vulgaris heilt unbehandelt in der Regel nach rund 20 Jahren aus. Bei 12% der Frauen und bei ca. 3% der Männer persistiert die Akne bis in die 5. Lebensdekade.

 

Mehr als 90 Prozent der Jugendlichen leiden in der Pubertät unter Akne vulgaris.

 

4. Ätiologie und Pathogenese

Die Ursache der Akne vulgaris ist polyaetiologisch und hauptsächlich gekennzeichnet durch eine Verhornungsstörung im Infundibulum der Haarfollikel, eine Talgdrüsenhyperplasie mit Seborrhoe (meist androgen stimuliert) sowie eine Bakterienkolonisation mit Propionibacterium acnes. Weitere Ursachen sind genetische Faktoren (Insulinresistenz und Hyperinsulinämie mit erhöhtem IGF-1), eine Entzündungsbereitschaft mit Interaktion zwischen Talgdrüse und perifollikulärem Bindegewebe, psychische Faktoren, Rauchen, Ernährungsgewohnheiten (Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index, Milchprodukte) sowie Medikamente (Kontrazeptiva mit restandrogener Komponente, Anabolika, Lithium, Vitamin B Präparate).

Mit der Pubertät steigt die Androgenproduktion, welche wiederum die Talgdrüsenaktivität stimuliert. Bei gleichzeitiger Verhornungsstörung im Bereich der Infundibula der Haarfollikel gelangt die erhöhte Talgmenge nicht an die Hautoberfläche, so dass sich diese in die Follikel-Drüseneinheit zurückstaut und sich Komedonen ausbilden. Durch eitrige Einschmelzung, begünstigt durch das Propionibacterium acnes, entstehen follikuläre Pusteln. Reicht der Entzündungsprozess bis in die Tiefe der Cutis, bilden sich furunkuloide, häufig konfluierende, schmerzhafte Infiltrate.
Der Schweregrad der Akne vulgaris ist u.a. abhängig von der individuellen Empfindlichkeit der Talgdrüsen auf Androgene. Durch die inadäquate Verwendung von anabolen Steroiden und einem hormonellen Ungleichgewicht, bei Frauen am häufigsten bei einem Syndrom der polycystischen Ovarien (PCOS), kann die Akne vulgaris verstärkt werden. Ein PCOS muss von einem Gynäkologen bestätigt werden.

 

Be der Akne-Entstehung spielen Androgene, Talgdrüsen und Propionibacterium acnes eine entscheidende Rolle.

 

5. Klinisches Bild

Die typischen Läsionen der Akne vulgaris sind Komedonen. Hier unterscheidet man zwischen offenen und geschlossenen Komedonen. Bei den geschlossenen Komedonen ist der Follikelausgang verschlossen, es schimmert eine weissliche Papel durch, der Talg-Horn-Pfropf. Sie neigen zur Entzündung und zu einer eitrigen Einschmelzung, da der Druck nicht nach aussen entweichen kann. Die offenen Komedonen sind gelb und die Follikelöffnung klafft auf, es ist ein schwarzer Kopf sichtbar. Hierbei handelt es sich nicht um Schmutz, wie vielfach vermutet wird, sondern um einen durch Sauerstoff oxidierten Horn-Lipid-Pfropf.
Ja nach Schweregrad der Entzündung treten Papeln, Pusteln, Knoten, Zysten, Abszesse sowie allenfalls narbige Veränderungen auf. Letztere sollten möglichst schnell und effektiv behandelt werden.
Die häufigste Lokalisation der Akne vulgaris ist das Gesicht. Oft treten sie auch auf dem Rücken und der Brust auf, in seltenen Fällen sogar auf der Kopfhaut und an den Extremitäten.

 

Die typischen Akneläsionen sind Komedonen, Papulopusteln und/oder Knoten.

 

6. Diagnostik

Die Diagnose wird durch das klinische Bild und Ausschluss der häufigsten Differentialdiagnosen (s.u.) gestellt. Der typische Patient ist ein Teenager mit Komedonen, Papeln und Pusteln im Gesicht und allenfalls auch am Stamm.
Manchmal beginnt die Akne erst im Erwachsenenalter (Acne tarda) und ist dann schwierig von einer Rosazea zu unterscheiden. Die Acne tarda reagiert oft schlechter auf die gewöhnliche Aknetherapie und tritt häufig bei Frauen auf, die die systemische Antikonzeption (Pille) im Erwachsenenalter absetzen.

 Abbildung 1:  Akne vulgaris bei einem Teenager

 

Die Diagnose wird durch das typische klinische Bild und Ausschluss der häufigsten Differentialdiagnosen gestellt.

 

7. Differentialdiagnosen

Die häufigste Differentialdiagnose bei Erwachsenen ist die Rosazea mit einer Prädilektion des zentralen Gesichtsbereichs. Bei der Rosazea liegen jedoch im Gegensatz zur Akne vulgaris oft Triggerfaktoren wie UV-Exposition, scharfe Speisen und Alkohol vor. Zudem findet man bei der Rosazea keine Komedonen.
Eine weitere Differentialdiagnose ist die periorale Dermatitis bei jungen erwachsenen Frauen mit perioralen (und ggf. periokulären) Hautveränderungen. Ebenfalls hier liegen keine Komedonen vor.
Beim seborrhoischen Ekzem findet man Schuppung und Rötungen an typischen Lokalisationen (Kopfhaut, Augenbrauen, Nasolabialfalte, Ohren, Brust).

 

Die häufigste Differentialdiagnose bei Akne vulgaris ist Rosazea.

 

8. Therapie


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9. Prognose

Im Alter von 20 Jahren heilt die Akne vulgaris bei ca. 80% aus. Jedoch kann es bis zu 20 Jahren dauern, bis eine starke unbehandelte Akne vulgäres ausheilt. Bei 12% der Frauen und bei ca. 3% der Männer persistiert die Akne bis in die 5. Lebensdekade.

 

10. Komplikationen

Die wichtigste Komplikation sind die Aknenarben, welche insbesondere bei der nodulozystischen Akne vulgaris auftreten. Um die Narbenbildung zu vermeiden oder zu stoppen ist hier eine möglichst schnelle Behandlung (mit systematischem Isotretinoin) indiziert.

 

11. Anderes

Die Akne vulgaris kann mit einer verminderten Lebensqualität sowie einer depressiven Stimmungslage und deshalb mit erheblichen psychosozialen Auswirkungen assoziiert sein.

 

12. Weitere Informationen

Akne vulgaris bei eMedicine

 

13. ICD-10

  • L70 -  Akne
  • L70.0 Acne vulgaris
  • L70.1 Acne conglobata
  • L70.2 Acne varioliformis
  • L70.3 Acne tropica
  • L70.4 Acne infantum
  • L70.5 Acne excoriée des jeunes filles
  • L70.8 Sonstige Akne
  • L70.9 Akne, nicht näher bezeichnet

 

14. Referenzen

  • Altmeyer, P., Paech, V.: Enzyklopädie Dermatologie, Allergologie, Umweltmedizin, Springer 2005
  • Bowe, WP., Joshi, SS., Shalita, AR.: Diet and acne. J Am Acad Dermatol. 2010; 63: 124-41. Epub 2010 Mar 24. Review
  • Dréno, B., Thiboutot, D., Gollnick, H., Finlay, AY., Layton, A., Leyden, JJ., Leutenegger, E., Perez, M.: Global Alliance to Improve Outcomes in Acne. Large-scale worldwide observational study of adherence with acne therapy. Int J Dermatol. 2010; 49: 448-56.
  • Gollnick, H., Cunliffe, W., Berson, D., Dreno, B., Finlay, A., Leyden, JJ., Shalita, AR., Thiboutot, D.: Global Alliance to Improve Outcomes in Acne. Management of acne: a report from a Global Alliance to Improve Outcomes in Acne. J Am Acad Dermatol. 2003; 49(1 Suppl) :S1-37. Review.
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  • Kim, GK., Del Rosso, JQ.: Laser and light-based therapies for acne vulgaris: a current guide based on available data. J Drugs Dermatol. 2010; 9: 614-21. Review.
  • Mallon, E., Newton, JN., Klassen, A., Stewart-Brown, SL., Ryan, TJ., Finlay, AY.: The quality of life in acne: a comparison with general medical conditions using generic questionnaires. Br J Dermatol. 1999; 140: 672-6.
  • Thiboutot, D., Gollnick, H., Bettoli, V., Dréno, B., Kang, S., Leyden, JJ., Shalita, AR., Lozada, VT., Berson, D., Finlay, A., Goh, CL., Herane, MI., Kaminsky, A., Kubba, R., Layton, A., Miyachi, Y., Perez, M., Martin, JP., Ramos-E-Silva, M., See, JA., Shear, N., Wolf, J. Jr.: Global Alliance to Improve Outcomes in Acne. New insights into the management of acne: an update from the Global Alliance to Improve Outcomes in Acne group. J Am Acad Dermatol. 2009; 60(5 Suppl): S1-50. Review.
  • http://www.causadermis.ch (Aufgerufen am 26.05.2015)

 

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